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Onkel Ho

'alloooooh!
So begrüßte uns am letzten Landgang vor der Weiterfahrt an unseren Zielhafen Laem Chabang bei Bangkok unser mehr oder weniger deutschsprachiger Guide Tanh in Vietnam. Sie studiert Tourismus mit Schwerpunkt Deutsch und Englisch in Saigon, das seit der Machtübername der Kommunisten offiziell nach dem Vater der Republik Ho Chi Minh, welcher von den Einheimischen liebevoll "Onkel Ho" genannt wird, benannt ist. Zwar ist Vietnam zweifelsohne ein schönes Land, voller freundlicher und hilfsbereiter Menschen, doch das Highlight des Tages war vielmehr Tanh, die mit der Kombination aus akzeptabler Grammatik und einem erstaunlichen Wortschatz mit jedoch so schadhafter Aussprache, die teilweise zu totalen Sinnverdrehungen führten zumindest im studentischen Kreis für viel Unterhaltung sorgte. An dieser Stelle mag erwähnt sein, dass wir es alle sehr bereuen keine Ton- oder Videoaufnahmen gemacht zu haben, ich will allerdings versuchen wenn immer es möglich ist ein Tanh-Zitat zum besten zu geben.
Bevor ich jetzt anfange von der Tour zu berichten möchte ich noch eines erwähnen: Sollte jemand von Euch jemals auf die Idee kommen nach Vietnam zu fahren, was ich voll und ganz nachvollziehen könnte - ich wäre sofort dabei, lasst die Finger von jeder Art Verkehrsmittel, welches Ihr potentiell selber steuern müsstet! Das wäre in etwa so lebensmüde, als würde man in Pattaya ohne... ach lassen wir das. Es wäre eben tödlich! Wir waren an einem hohen Feiertag in Saigon unterwegs, der dafür bekannt ist dass die Straßen nichteinmal zu hälfte ausgelastet sind, und trotzdem habe ich mir an jedem (übrigens 7-Spurigen) Kreisverkehr in die Hosen gemacht, weil allein die Einfahrt in selbigen jedesmal um Haaresbreite das Leben eines guten Dutzend Mopedfahrer gekostet hätte. Also: Finger weg!
Unser erster Halt nach 2 Stunden Fahrt vom ca. 60 km entfernten Hafen (!) war dann eine bekannte Markthalle, deren Namen mir dummerweise entfallen ist. Tanh hat es glaube ich so übersetzt: "Eine Markt auf eine Festung an eine Wasser". Ökonomisch betrachtet war der Unterschied nur unwesentlich zu den bekannten Marktständen auf den Thai-Straßen, jedoch waren die vietnamesischen Händler und Händlerinnen ein wenig aufdringlicher. Teilweise musste man sich von vier kleinen Frauen losreissen, die ununterbrochen quasselnd alle versuchten einen am Arm in den Stand zu schleifen. Ich habe tatsächlich auch eine Kleinigkeit gekauft, und nach dem Erwerb einiger Flaschen Wassers für die Allgemeinheit setzten wir unsere Tour fort zum (Achtung, Zitat!) "Gesichter-Museum" Vietnams, in dem auch ein traditionelles, und übrigens nur in Vietnam zu findendes Wasserpuppentheater zum besten gegeben werden sollte. Zu erklären was ein Wasserpuppentheater ist spare ich mir an dieser Stelle, weil ich weiss, dass Ihr es ohnehin jetzt googelt oder bei YouTube eingebt
Ein Tanh-Zitat möchte ich dabei noch mit auf den Weg geben: "Diese swei wichtigste Sache bei Wasserpuppentheater ist einmal Wasser, und sweitens Puppen."
Das Gesichts, verzeihung, Geschichtsmuseum empfand ich persönlich als weniger spannend, denn neben fehlenden Erklärungen zu den Exponaten fehlten die Exponate. Zumindest die spannenden, denn zwischen Vasen, antiken Essstäbchen oder hundert Jahre alten Schuhen kam in den 15 Minuten Zeit die wir hatten bei mir persönlich kein Interesse auf.
Next Stop: "Lachfirma". Das hört sich jetzt erstmal lustiger an als es ist, denn eigentlich handelt es sich hierbei um eine Lackwarenfabrik, was durch Tanhs aussprache doch vorerst nicht klar wurde. Lackmalerei ist eine traditionell vietnamesische Kunst, bei der mit aus speziellen Bäumen gewonnenem Lack, der mit natürlichen Farbstoffen gefärbt wird, auf Holzplatten atemberaubende Kunstwerke vollbracht werden. Das Besondere: die Bilder entstehen in mehreren Lackschichten, die zwischen den Arbeitsschritten immer wieder geschliffen und poliert werden. Daraus resultiert im Endeffekt nicht nur eine glasartige Oberfläche, sondern auch eine unglaubliche Tiefe im Bild. Trotz der fortschreitenden Inflation in Vietnam bot der anschließende Verkaufsraum (wie immer: Exit through the gift-shop) kaum Kunst für den studentischen Geldbeutel. Der Preis der Kunstwerke reichte von umgerechnet 20 US-Dollar für ein handtellergroßes Bild, bishin zu mehreren Zehntausend Dollar für ganze Möbelstücke, die mit der entsprechenden Technik verziert wurden.
Im Anschluss hielten wir nach einem Stück fahrt vorbei an "Östereisfeldern", auf der Tanh uns erklärte, dass es an ihrer Uni "sechsunswansig Pfannkutäten" in "vier Spacken" gebe, an der Pagode des Jadekaisers. Das hört sich jetzt auch erstmal spektakulärer an als es ist - zumindest aus touristischer Sicht. Es handelt sich dabei um eine Kultstätte des Ahnenkultes, in der man Einheimische zu den verstorbenen Vorfahren oder anderen großen Persönlichkeiten betend beobachten konnte. Eine sehr interessante Erfahrung!
Ich glaube um das ganze jetzt etwas abzukürzen erwähne ich nur kurz noch die Fotostops an der Notre Dame Kirche und dem alten Postamt aus der Kolonialzeit (Das übrigens noch in Betrieb ist). Die Kirche wurde vor dem Indochinakrieg durch die französische Besatzungsmacht errichtet. Dafür wurden alle Baumaterialien eigens aus Frankreich eingeschifft. Achso, das Zitat: "Alle Baumateial kommt aus Fankleich. Das iss in Eulopa."
Auf der Heimfahrt waren alle dann ziemlich abgeschlagen, was auch Tanh nicht entging: "Seien Sie müde? - Dann Sie sollten jets schlafen". Dieser Vorschlag fand auch allgemein Anklang. Zumindest bis das nächste "'allooooooh!" über die Lautsprecheranlage erschallte, um das Publikum auf die anstehenden Informationen vorzubereiten.

NIK am 2.3.13 12:09

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Brigitta (3.3.13 15:58)
Grandios... ich sehe Tanh direkt vor mir. Hab sehr lachen müssen, bei der Lektüre :-D


Alexandra (5.3.13 11:29)
Hab mal wieder herzhaft gelacht. Wie immer spannend, fesselnd und lustig Eure Berichte. Weiter so...LG Alex


Dan (5.3.13 15:46)
Hey Brüderchen musste sehr lachen als ich es gelesen habe hoffe dir/euch gehts gut und weiterhin viel Spaß Lg Dan

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